Z05 – Supply Chain Dekarbonisierung (Scope 3)
Supply Chain Dekarbonisierung (Scope 3)
Fokus liegt rein auf den vorgelagerten Emissionen (Einkauf von Waren und Dienstleistungen) – oft der grösste Hebel bei KMU und Industrie.
1. Definition der Supply Chain Dekarbonisierung
Die Supply Chain Dekarbonisierung bezeichnet die systematische Reduzierung von Treibhausgasemissionen entlang der gesamten Liefer- und Wertschöpfungskette eines Unternehmens. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere die Scope-3-Emissionen, also indirekte Emissionen, die außerhalb der eigenen Unternehmensgrenzen entstehen.
Da Scope-3-Emissionen in vielen Unternehmen den größten Anteil am gesamten Corporate Carbon Footprint (CCF) ausmachen, spielt ihre Reduzierung eine entscheidende Rolle für die Erreichung von Klimazielen und Net-Zero-Strategien.
Die Supply Chain Dekarbonisierung umfasst sowohl die Zusammenarbeit mit Lieferanten als auch die Optimierung von Produkten, Transporten und Beschaffungsprozessen, um Emissionen nachhaltig zu senken.
Normen:
ISO 14064-1 + Greenhouse Gas Protocol Scope 3 Standard
Scope-3-Bewertung erfolgt primär nach dem GHG Protocol.
2. Warum ist die Dekarbonisierung der Lieferkette wichtig?
Viele Unternehmen verursachen nur einen kleinen Teil ihrer Emissionen direkt. Der überwiegende Anteil entsteht häufig bei Lieferanten, durch eingekaufte Materialien, Transporte oder die Nutzung und Entsorgung ihrer Produkte.
Eine gezielte Dekarbonisierung der Lieferkette ermöglicht Unternehmen,
- Treibhausgasemissionen deutlich zu reduzieren,
- Klimaziele zu erreichen,
- regulatorische Anforderungen zu erfüllen,
- Risiken in der Lieferkette zu minimieren,
- nachhaltige Beschaffung zu fördern,
- Wettbewerbsvorteile zu erzielen.
3. Ziele der Supply Chain Dekarbonisierung
Die wichtigsten Ziele sind:
- Reduzierung von Scope-3-Emissionen
- Verbesserung der Energieeffizienz entlang der Lieferkette
- Förderung klimafreundlicher Lieferanten
- Transparenz über Emissionsquellen
- Integration von Klimazielen in den Einkauf
- Unterstützung von Net-Zero-Strategien
- Erfüllung von ESG- und Berichtspflichten
4. Was sind Scope-3-Emissionen?
Die Greenhouse Gas Protocol unterscheidet drei Emissionsbereiche:
Scope 1
Direkte Emissionen aus eigenen Quellen.
Beispiele:
- Firmenfahrzeuge
- Heizungsanlagen
- Produktionsprozesse
Scope 2
Indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie.
Beispiele:
- Strom
- Fernwärme
- Fernkälte
Scope 3
Alle weiteren indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette.
Beispiele:
- Eingekaufte Waren und Dienstleistungen
- Transporte
- Geschäftsreisen
- Pendelverkehr der Mitarbeitenden
- Abfallentsorgung
- Nutzung verkaufter Produkte
- Entsorgung verkaufter Produkte
- Investitionsgüter
5. Typische Scope-3-Quellen in der Lieferkette
Die größten Emissionsquellen sind häufig:
Beschaffung
- Rohstoffe
- Bauteile
- Verpackungen
- Dienstleistungen
Logistik
- Straßentransporte
- Schiffsverkehr
- Luftfracht
- Lagerhaltung
Produktion bei Lieferanten
- Energieverbrauch
- Prozesswärme
- Produktionsanlagen
- Materialverluste
Produktlebenszyklus
- Nutzung durch Kunden
- Wartung
- Recycling
- Entsorgung
6. Vorgehensweise bei der Dekarbonisierung
Ein typischer Prozess umfasst mehrere Schritte.
1. Emissionen erfassen
Berechnung des Scope-3-Fußabdrucks.
2. Hotspots identifizieren
Ermittlung der größten Emissionsquellen.
3. Lieferanten bewerten
Analyse von:
- Klimastrategien
- Energieverbrauch
- ESG-Leistung
- Emissionsdaten
4. Maßnahmen entwickeln
Gemeinsame Reduktionsmaßnahmen mit Lieferanten.
5. Fortschritt überwachen
Regelmäßige Erfassung und Bewertung der Emissionsentwicklung.
7. Maßnahmen zur Dekarbonisierung
Unternehmen können verschiedene Maßnahmen umsetzen.
Einkauf
- Auswahl klimafreundlicher Lieferanten
- Nachhaltige Beschaffung
- Bevorzugung regionaler Anbieter
- ESG-Kriterien im Lieferantenmanagement
Materialien
- Recyclingmaterialien
- Materialeinsparung
- Kreislaufwirtschaft
- Ressourceneffizienz
Produktion
- Nutzung erneuerbarer Energien
- Energieeffiziente Produktionsverfahren
- Abwärmenutzung
- Elektrifizierung von Prozessen
Logistik
- Optimierte Transportwege
- Bündelung von Lieferungen
- Verlagerung auf emissionsärmere Verkehrsträger
- Alternative Kraftstoffe
Zusammenarbeit
- Lieferantenschulungen
- Gemeinsame Klimaziele
- Datenaustausch
- Nachhaltigkeitsprogramme
8. Datengrundlage
Für eine erfolgreiche Dekarbonisierung werden verschiedene Informationen benötigt.
Unternehmensdaten
- Einkaufsvolumen
- Materialmengen
- Lieferantenstruktur
- Transportdaten
Lieferantendaten
- Energieverbrauch
- CO₂-Emissionen
- Produktionsverfahren
- Klimaziele
- Zertifizierungen
Emissionsdaten
- Produktspezifische Emissionsfaktoren
- Transportemissionen
- Materialdaten
- Lebenszyklusanalysen (LCA)
9. Kennzahlen (Key Performance Indicators – KPIs)
Typische Kennzahlen sind:
- Scope-3-Gesamtemissionen
- CO₂-Emissionen pro Lieferant
- CO₂-Emissionen pro Produkt
- Anteil nachhaltiger Lieferanten
- Anteil erneuerbarer Energien bei Lieferanten
- Emissionsreduktion pro Jahr
- Anteil emissionsarmer Materialien
10. Zusammenhang mit ESG und Nachhaltigkeit
Die Dekarbonisierung der Lieferkette ist ein wesentlicher Bestandteil moderner Nachhaltigkeitsstrategien.
Sie unterstützt Unternehmen bei:
- Klimastrategien
- ESG-Berichterstattung
- Nachhaltigem Einkauf
- Lieferkettenmanagement
- Risikomanagement
- Net-Zero-Programmen
Die gewonnenen Daten fließen häufig in die Nachhaltigkeitsberichterstattung nach der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) sowie in den Corporate Carbon Footprint ein.
11. Vorteile der Supply Chain Dekarbonisierung
| Bereich | Nutzen |
|---|---|
| Unternehmen | Reduzierung der größten Emissionsquellen |
| Einkauf | Nachhaltigere Lieferantenbeziehungen |
| Kunden | Klimafreundlichere Produkte |
| Investoren | Verbesserte ESG-Bewertung |
| Umwelt | Verringerung globaler Treibhausgasemissionen |
| Lieferanten | Förderung nachhaltiger Innovationen |
12. Herausforderungen
Die Umsetzung einer Supply Chain Dekarbonisierung bringt verschiedene Herausforderungen mit sich:
- Begrenzte Verfügbarkeit von Emissionsdaten
- Unterschiedliche Reifegrade der Lieferanten
- Internationale Lieferketten
- Hoher Koordinationsaufwand
- Unterschiedliche Bilanzierungsmethoden
- Laufende Aktualisierung der Daten
13. Praxisbeispiel
Ein Hersteller von Industrieanlagen stellt fest, dass rund 80 % seiner Treibhausgasemissionen bei Zulieferern entstehen.
Ausgangssituation:
- Große Anzahl internationaler Lieferanten
- Hohe Materialintensität
- Begrenzte Transparenz über Scope-3-Emissionen
Umgesetzte Maßnahmen:
- Berechnung des Scope-3-Fußabdrucks
- Identifikation der größten Emissionsquellen
- Einführung eines Lieferantenprogramms zur Emissionsreduktion
- Bevorzugung CO₂-armer Materialien
- Integration von ESG-Kriterien in den Einkauf
- Gemeinsame Klimaziele mit strategischen Lieferanten
Ergebnis:
- Verbesserte Transparenz entlang der Lieferkette
- Deutliche Reduzierung der Scope-3-Emissionen
- Engere Zusammenarbeit mit Lieferanten
- Erfüllung steigender Kunden- und Regulatorikanforderungen
- Fortschritte auf dem Weg zur Klimaneutralität
14. Zusammenhang zwischen Scope 3 und der Supply Chain Dekarbonisierung
Die Dekarbonisierung der Lieferkette konzentriert sich auf die systematische Reduzierung der indirekten Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Sie verbindet Emissionsmessung, Lieferantenmanagement und kontinuierliche Verbesserungsmaßnahmen zu einem ganzheitlichen Klimamanagement.
Der Zusammenhang lässt sich wie folgt darstellen:
Erfassung der Scope-3-Emissionen
↓
Identifikation der Emissions-Hotspots
↓
Analyse der Lieferanten
↓
Erhebung von Emissionsdaten
↓
Entwicklung gemeinsamer Reduktionsmaßnahmen
↓
Nachhaltige Beschaffung und Logistik
↓
Kontinuierliche Überwachung der Emissionen
↓
Integration in den Corporate Carbon Footprint
↓
Erreichung der Klimaziele und Net-Zero-Strategie15. Fazit
Die Supply Chain Dekarbonisierung ist ein zentraler Bestandteil moderner Klimastrategien und konzentriert sich auf die Reduzierung der Scope-3-Emissionen, die entlang der Liefer- und Wertschöpfungskette entstehen. Durch die systematische Erfassung von Emissionsdaten, die Zusammenarbeit mit Lieferanten und die Optimierung von Beschaffungs-, Produktions- und Logistikprozessen können Unternehmen ihre größten Emissionsquellen nachhaltig reduzieren. Gleichzeitig unterstützt die Supply Chain Dekarbonisierung die Erfüllung regulatorischer Anforderungen, verbessert die ESG-Performance und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weg zu einer klimaneutralen Wirtschaft.
Das Modell bewertet die Reduktions- und Engagement-Fortschritte innerhalb der Lieferkette.
Zertifikat A - Global Enterprise Governance Excellence
Grossunternehmen müssen den tatsächlichen, berechneten Rückgang der Scope-3-Upstream-Emissionen (Kategorien 1–8 des GHG Protocols) durch harte Daten ihrer Hauptzulieferer nachweisen.
Messbare Merkmale (Eingangsdaten):
S3_Base:
Scope 3 Upstream-Emissionen im Basisjahr (t\CO₂e)S3_Aktuell:
Scope 3 Upstream-Emissionen im aktuellen Bilanzjahr (t\CO₂e)
Berechnungsformel:
(Bestehensschwelle für Zertifikat A: >=40% Reduktion)
Gültige ISO-Normen:
- GHG Protocol Corporate Value Chain (Scope 3) Standard
- ISO 14064-1:2018
Zertifikat B - Smart Business Operational Excellence
Da KMUs oft weniger direkten Einfluss auf globale Vorketten-Berechnungen haben, bewertet Zertifikat B das Engagement (Anteil auditierter Zulieferer) und den Grad der Regionalisierung zur Vermeidung von Transportemissionen.
Messbare Merkmale (Eingangsdaten):
P_Audit:
Prozentualer Anteil der Hauptzulieferer mit eigenem CO₂-Nachweis (0 bis 100%)P_Regio:
Prozentualer Anteil regionaler Beschaffung (Einkaufsvolumen im Umkreis <100km, 0 bis 100%
Berechnungsformel:
(Bestehensschwelle für Zertifikat B: >= Punkte)
CTP Supply Chain Dekarbonisierungs-Zertifikatberechnung
CarbonTechPerformance Validierungstool für Scope 3 Upstream-Netzwerke
a) Eingangsdaten: Zertifikat B (KMU - Lieferanten-Engagement)
a) Eingangsdaten: Zertifikat A (Grossunternehmen - Scope 3 Absolute Reduktion)
c) Resultat
Status
Strategischer Prüfbericht der Lieferkette
| Prüfkriterium (Upstream-Verbindung) | Ermittelter Wert | Zertifizierungshürde | Status |
|---|
d) Sauberer Datenextrakt für Export (Zertifikaterstellung)
Archiv
Messbare Merkmale (Eingangsdaten)
M1 (Spend-based – geringer Aufwand):
Einkaufsvolumen in CHF/EUR aufgeteilt nach Warengruppen (z.B. 50’000 CHF für IT-Hardware).M2 (Activity-based – hoher Aufwand):
Reale PCF-Daten von Schlüssel-Lieferanten (wie viele Tonnen CO₂ weist der Lieferant für seine gelieferte Ware aus?).
Berechnungsformel
Hinweis:
Das Produkt zielt darauf ab, den ungenauen „Spend-based“-Anteil schrittweise durch reale Lieferanten-PCFs zu ersetzen.
Hinweis zu den Berechnungsmodellen (Disklaimer):
Die auf dieser Seite dargestellten Formeln dienen der schematischen Veranschaulichung unseres Kalkulationsmodells. Zum Schutz unseres proprietären Algorithmus und des geistigen Eigentums sind die zugrundeliegenden komplexen Datenstrukturen und BAFU-Emissionskoeffizienten im Hintergrund unserer gesicherten Software hinterlegt. Unsere Berechnungen erfolgen im System zu 100% normkonform nach dem GHG Protocol.
Lieferketten-Simulator (Scope 3)
📊 CTP GmbH - Lieferketten-Simulator (Scope 3)
Erleben Sie den Effekt der Umstellung von ungenauen finanzbasierten Schätzungen (Spend-based) auf reale Lieferanten-PCFs (Activity-based).